Lesedauer 5 min von Onlineredaktion DURCHBLICKT!

Datum 24 Okt, 2022

„Für dich empfohlen“ – Welche Macht haben Algorithmen?

Sie verbringen auf Social Media wie Facebook, Instagram und YouTube mehr Zeit als Sie eigentlich geplant hatten, weil Ihnen ein spannender Inhalt nach dem anderen angezeigt wird? Damit sind Sie gewiss nicht allein. Soziale Medien, Online-Shops, Streaming-Dienste und Co. sind sehr daran interessiert Sie möglichst lange auf der Plattform zu halten oder Ihre Rückkehr zu sichern. Dafür haben die jeweiligen Anbietenden Algorithmen entwickelt. Mithilfe dieser Sie stets relevante Inhalte und Angebote erhalten. So stellen sie sicher, dass Sie Ihre Abonnements nicht kündigen, neue Produkte erwerben und möglichst viel Werbung angezeigt bekommen.

    Im Gegenzug werden Inhalte unterdrückt, die der Algorithmus als nicht wichtig oder wissenswert für Sie einstuft, sobald er Ihr Nutzungsverhalte kennt. Das heißt, der Algorithmus entscheidet über die Informationen, mit denen Sie versorgt werden – zumindest teilweise. Schauen wir uns die Algorithmen genauer an. Die meisten Plattformen halten ihre exakten Wirkungsmechanismen streng geheim. Ziemlich sicher ist aber, dass Algorithmen Ihre Daten brauchen, um Inhalte auf Ihre Interessen zuzuschneiden. Dazu gehören beispielsweise Ihr Standort, Ihre Suchanfragen, Ihr Klickverhalten, die von Ihnen konsumierten Inhalte sowie andere personenbezogene Daten. Auf sozialen Medien beziehen Algorithmen Inhalte in Ihre Berechnungen mit ein, die Sie gelikt oder geteilt haben. Teilweise sogar wie lange oder wie oft Sie sich einen bestimmten Inhalt angesehen haben. Auf der Kurzvideoplattform TikTok scheint dies beispielsweise so gut zu funktionieren, dass Nutzerinnen und Nutzer sich regelrecht durchleuchtet fühlen, weil die Inhalte in ihrem Feed so gut zu ihnen passen.

    Ein negativer Effekt an den maßgeschneiderten Inhalten könnte laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die daraus resultierende Steuerung unserer Informationen sein. Bekommen wir online immer nur Inhalte angezeigt, die unseren Interessen entsprechen, bewegen wir uns laut Theorie in einer Art Filterblase1. Alle „positiven“ Informationen werden uns angezeigt und unterstützen unsere eigene Meinung. Gegenargumente oder andere Meinungen werden vom Algorithmus herausgefiltert und uns gar nicht erst angezeigt. Noch extremer ist die Theorie der Echokammern2.  Diese beschreiben ein Phänomen, in dem wir uns in der digitalen Welt aktiv ausschließlich mit Personen umgeben, die unsere eigene Meinung teilen und andere Personen ausblenden. Die Möglichkeiten dafür sind auf sozialen Medien leichter durchzusetzen als im echten Leben. Wir können Personen entfolgen, blockieren oder stummschalten, wenn wir ihre Meinung nicht hören wollen und unser soziales Netzwerk ausschließlich mit Personen befüllen, die unsere Meinung teilen. Sowohl die Theorie der Filterblase, als auch die der Echokammern ist umstritten. Der Effekt auf das einzelne Individuum noch nicht abschließend geklärt. Dennoch sollten Sie sich bewusst machen, dass in jedem Fall Algorithmen Ihre Daten verarbeiten und Ihnen Inhalte empfehlen, wenn Sie in der digitalen Welt unterwegs sind. Die Algorithmen berechnen die Inhalte dabei ausschließlich nach Ihren Interessen und nicht danach, ob die Inhalte Ihnen guttun. Dies kann dazu führen, dass Ihnen Fake News vorgeschlagen werden oder Inhalte, die Sie emotional belasten. Auch Ihre Kinder werden im Netz mit Inhalten konfrontiert, die Algorithmen für sie auswählen – egal ob die Inhalte altersgerecht sind oder nicht.

    Was können Sie tun, um weniger personalisierte Inhalte angezeigt zu bekommen:

    • Je weniger der Algorithmus über Sie weiß, desto weniger kann er Inhalte auf Sie zuschneidern. Verzichten Sie auf die Erstellung von Nutzeraccounts sofern möglich und sinnvoll, indem Sie beispielsweise in Online-Shops als Gast bestellen.
    • Informieren Sie sich über die Datenschutzeinstellungen Ihres Internetbrowsers und nehmen Sie entsprechende Anpassungen vor.
    • Informieren Sie sich über die Verwertung Ihrer personenbezogenen Daten, sobald Sie sich auf einer Plattform oder ähnlichem registrieren.
    • Verlassen Sie sich bei der Informationssuche nicht ausschließlich auf vorgeschlagene Inhalte und Seiten oder die Google-Suche. Hier finden Sie beispielsweise Tipps für seriöse und geprüfte Internetquellen zu Gesundheitsthemen.
    • Überlegen Sie sich auf sozialen Medien, mit welchen Inhalten Sie interagieren (liken, teilen, kommentieren, anschauen, etc.). Je intensiver Sie sich mit einem Inhalt auseinandersetzen, desto wahrscheinlicher werden Ihnen ähnliche Inhalte angezeigt.
    • Weitere Informationen und Tipps zum Umgang mit Ihren personenbezogenen Daten finden Sie unter https://www.klicksafe.de/privatsphaere-und-big-data/wie-schuetze-ich-meine-daten-im-internet

    1Pariser E. (2011). The filter bubble : what the internet is hiding from you. Viking/Penguin Press.

    2Rau, J.P., Stier, S. (2019). Die Echokammer-Hypothese: Fragmentierung der Öffentlichkeit und politische Polarisierung durch digitale Medien?. Z Vgl Polit Wiss 13, 399–417. https://doi.org/10.1007/s12286-019-00429-1

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