Achtsamkeit im Schulalltag – Wege zu weniger Stress und mehr mentaler Stärke

Lena Seiferth – Expertin für digitale Gesundheitsförderung

Stress ist im Lehrberuf allgegenwärtig – und zu selten folgt auf den Hochpunkt wirklich Erholung. Lena Seyfarth von 7Mind erklärt in diesem Online-Vortrag, warum chronischer Stress so gefährlich ist, was Achtsamkeit wirklich bedeutet und wie Sie sie konkret in Ihren Schulalltag integrieren können.
Der Vortrag beginnt mit einer geführten „Achtsamen Minute" und zeigt anschließend, welche positiven Effekte regelmäßiges Achtsamkeitstraining auf Stresserleben, Emotionsregulation und Wohlbefinden haben kann – für Sie als Lehrkraft und für Ihre Schülerinnen und Schüler.
Im Mittelpunkt steht das Kooperationsprojekt 7Mind@School der BARMER: Ein kostenfreies App-Programm mit Meditationen und Achtsamkeitsübungen, das speziell auf den Schulalltag zugeschnitten ist. 


Den kostenfreien Zugangscode für 7Mind@School finden Sie im Lehrkräftebereich auf BARMER Durchblickt.

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Achtsamkeit im Schulalltag – Wege zu weniger Stress und mehr mentaler Stärke

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00:00 – Begrüßung und Einführung

Lena Seiferth

Hallo und herzlich willkommen zu dem Vortrag. Ich freue mich sehr, dass ihr alle mit dabei seid. Ich würde noch kurz ein bis zwei Minuten warten, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit haben, zum Event dazuzukommen und dann starten wir in Kürze. Waren Sie auch schon bei einem vorherigen Event mit dabei? Dann kennen Sie das Prozedere jetzt ein kleines bisschen.

Wir haben knapp eine halbe Stunde zusammen und in dieser halben Stunde werde ich Ihnen etwas über Achtsamkeit sagen. Ich starte jetzt auch schon mal rein. Bevor ich aber komplett loslege, würde ich mich einmal vorstellen. Mein Name ist Lena Seiferth. Ich arbeite bei 7Mind schon jetzt über zwei Jahre und das Thema Meditation und Achtsamkeit hat mich eigentlich auch in meinem vorherigen Berufsfeld schon sehr stark geprägt oder mitbegleitet.

Deswegen bin ich sehr, sehr froh, dass ich Ihnen das heute auch etwas näher bringen darf und würde dafür jetzt einfach mal meine Folien teilen und Ihnen einen kurzen Einblick geben, was wir heute zusammen besprechen. Sie müssten jetzt gleich meinen Bildschirm sehen. Ich beende noch einmal das Teilen. So, jetzt müsste mein Bildschirm sichtbar sein. Perfekt, ich sehe einen Daumen nach oben.

Super. Bevor ich jetzt mit dem Vortrag starte, noch einmal kurz zur Information: Wir haben eine Chat-Möglichkeit, in der Sie alle Ihre Fragen stellen können. Ich würde die Fragen gerne am Ende beantworten, dass wir das alles zusammen haben, und jetzt erst mal durch den Vortrag durchgehen, aber wenn Ihnen irgendwas auffällt, einfällt oder irgendwas nicht klar ist oder Sie noch eine Rückfrage haben, gerne über den Chat, den ignorieren wir nicht. Da kommen wir dann am Ende noch einmal dazu. Perfekt.

Sehr gut. Genau, worum soll's heute gehen? Um Achtsamkeit im Schulalltag und das am Ende dann mit der Meditations- und Achtsamkeits-App 7Mind. Wir haben da ein besonderes Projekt zusammen mit der BARMER. Das nennt sich 7Mind@School, das Inhalte speziell für den Schulalltag ausgelegt hat.

Da komme ich aber gleich noch einmal ein bisschen genauer zu. Nur das schon mal vorweg als Teaser.

02:49 – Achtsame Minute

Lena Seiferth

Bevor wir starten, möchte ich gerne eine kleine Praxis mit Ihnen machen, die wir sonst bei 7Mind auch sehr gerne machen. Das ist die „Achtsame Minute“. Ich kann mir vorstellen, dass Sie gerade, wenn Sie als Lehrkraft tätig sind, vielleicht auch von der Schule kommen oder schon einen stressigen Vormittag hatten. Mit der „Achtsamen Minute“ wollen wir einfach den Start in die Meetings, in die Vorträge, in die Zusammenkünfte, die wir haben, etwas erleichtern, dass wir in dem Moment ankommen, in dem wir gerade sind. Deswegen machen wir jetzt eine Minute in der Stille zusammen.

Dafür können Sie, wenn Sie möchten, die Augen schließen. Sie können den Blick auch senken. Aber im besten Fall lassen Sie sich einfach mal darauf ein. Ich starte gleich die Audio-Einheit und dann beginnt diese mit einem Gong und hört auch mit einem Gong wieder auf, und das begrenzt dann unsere Minute. In diesem Sinne würde ich jetzt einfach mal starten und …

[Gong]

[Gong]

Und das war auch schon das Ende unserer stillen Minute. Ich hoffe, ihr habt den Gong gehört. Für manch einen ist schon alleine diese Minute in Stille sitzen ganz unangenehm, weil wir es mittlerweile sehr gewohnt sind, uns direkt ablenken zu können, sei es mit einem Handy, mit einer Nachricht, mit einem Telefon. Deswegen sind diese Minuten, in denen wir einfach da sitzen und mal nichts machen, unseren Gedanken mal freien Lauf lassen, echt wertvoll und ich würde sagen auch sehr, sehr selten in unserem aktuellen Alltag.

Welche Wirkungen so kurze Pausenzeiten und Achtsamkeit haben können, darauf gehe ich gleich noch einmal ein, aber ich möchte jetzt erst mal kurz darauf eingehen, worum wir uns heute kümmern.

05:24 – Stress im Schulalltag

Lena Seiferth

Und zwar möchte ich damit anfangen, was alles das Thema Stress betrifft, vor allem mit dem Blick auf den Lehr- oder Schulalltag. Warum Stress? Ich glaube, Stress ist mittlerweile allgegenwärtig und die halbe Stunde, die ich dafür habe, ist absolut nicht ausreichend. Deswegen habe ich versucht, es auf die ganz grundlegende Ebene herunterzubrechen. Anschließend würde ich etwas zu Achtsamkeit sagen, wie sie praktiziert wird, was sie ist und welche Vorteile sie hat, und dann eben auf die mentale Gesundheitsförderung im Schulalltag, vor allem mit Achtsamkeitstraining eingehen.

Genau. Dann starten wir erst mal: Wie entsteht Stress eigentlich? Vielleicht kennen Sie das Phänomen oder die Theorie des Fight-or-Flight-Prinzips schon, aber das ist eigentlich die grundlegende Stresstheorie, wie wir sie kennen. Und was dahintersteckt, ist eben, dass der Körper sich, wenn eine Stressreaktion entsteht, bereit macht, entweder zu kämpfen oder zu fliehen. Das ist ein Urinstinkt, den wir alle in uns tragen und je nachdem, wie sich der Körper spontan entscheidet, reagiert oder …

wird der auch ganz ohne unser Beitun aktiviert. Was es für die Auslösung des Fight-or-Flight-Prinzips braucht, ist eben einen Auslöser, eine Gefahrensituation. Wenn wir jetzt einfach mal ganz, ganz viele Jahre zurückblicken, dann könnte diese Gefahrensituation sein, dass ein gefährliches Tier vor mir steht. Das heißt, ich sehe das Tier, ich sehe, oh, das ist eine akute Gefahrensituation. Das könnte mich vielleicht das Leben kosten, wenn ich jetzt nicht reagiere.

Dementsprechend schaltet der Körper dann auf eine Alarmfunktion um. Das heißt, Adrenalin wird freigesetzt, unsere Herzfrequenz erhöht sich, unsere Atemwege erweitern sich. Wir haben mehr Kraft. Wir sind bereit, entweder zu kämpfen oder zu fliehen. Je nachdem, wie sich unser Körper dann entscheidet, kämpfen oder fliehen wir. Manchmal gibt es auch die Freeze-Reaktion.

Das heißt, dass wir erstarren und eigentlich gar nicht mehr so richtig was machen können. Aber eine der drei Reaktionen gibt es. Dann kommt es zum Kampf oder wir laufen ganz schnell weg und im besten Fall löst sich die Situation dann auf. Wir haben entweder den Kampf gewonnen oder wir sind gut geflohen und wir konnten uns der Situation entziehen und anschließend kommt die Erholung. Wir kommen wieder runter, unsere Atemfrequenz reguliert sich wieder, wir kommen wieder in ein Gleichgewicht und wir kommen, wenn man sich oben rechts diese Kurve einmal anschaut, wieder unten an.

Das heißt, wir haben einmal den Peak und wieder nach unten. Was wir mittlerweile, aber leider öfter erleben, ist, dass der Punkt vier, die Erholung, nicht so richtig eintritt. Das heißt, wir haben die Reaktion, wir kämpfen und wir fliehen und wir kommen eigentlich quasi wieder zu eins zurück. Wir kommen nicht in die Erholungssituation, weshalb, wie wir hier oben rechts sehen, wir in so eine kleine Spirale kommen, in diese Stressspirale, würde ich jetzt mal sagen. Und wir kommen gar nicht erst zur Ruhe.

Das ist eine ungünstige Situation. Das ist eigentlich die Situation, die wir vermeiden wollen, in der wir uns aber mittlerweile heute finden oder befinden. Wenn wir uns einfach mal den aktuellen Arbeitsalltag als Lehrkraft anschauen, man ist in der Schule, im Unterricht, man muss den Alltag stemmen, man kommt nach Hause, da herrscht das nächste Häufchen an Problemen oder man muss noch das tun. Man möchte für gewisse Personen da sein, hat vielleicht eine pflegende Tätigkeit. Das heißt, man kommt eigentlich nie wieder in diese ursprüngliche Ausgangssituation der Erholung zurück.

Was ich an der Stelle noch einmal ganz klar machen möchte, ist, dass Stress nicht automatisch bedeutet, dass er schlecht ist. Eigentlich ist nämlich Stress eine ganz coole Sache, wie wir gerade gemerkt haben. Wenn nämlich ein Säbelzahntiger vor mir steht, dann macht mein Körper automatisch etwas, ohne dass ich noch viel drüber nachdenken muss. Er beschützt mich so ein bisschen vor was. Und das kann ich auch in den Alltag transferieren, zum Beispiel vor einer Klassenarbeit oder vor einen Vortrag.

Wenn ich da ein bisschen aufgeregt bin, dann gibt mir das ein bisschen Spannung. Meine Herzfrequenz erhöht sich. Das bereitet mich darauf vor, jetzt Leistung zu bringen. Und das ist super. Das ist der akute Stress, der auch als Eustress bezeichnet wird, der uns dazu befähigt, Dinge zu tun. Und dieser Eustress ist wirklich toll, der kann förderlich sein. Wenn wir aber in den chronischen und in den Distress rutschen, dann kann es gefährlich werden, weil es sich auch auf unsere mentale Gesundheit auswirkt.

Und wie wir auch alle wissen, kann sich die mentale Gesundheit natürlich langfristig auch auf die physische Gesundheit auswirken. Das heißt, der akute Stress oder generell Stresssituationen sind per se gar nicht schlimm, aber der chronische Stress, wenn wir nicht in die Entspannung kommen, das ist die Situation, die wir vermeiden wollen. Und vielleicht hilft es Ihnen auch mal drüber nachzudenken, wie es denn so in Ihrem Alltag ist. Haben Sie die Möglichkeit, von dem Peak wieder nach unten zu kommen, sich zu entspannen? Haben Sie da einzelne Methoden, sei es irgendwie Sport, ist es vielleicht sogar schon die Achtsamkeit?

Ist eine soziale Interaktion Ihr Anker? Haben Sie da etwas, was Sie eben wieder runterbringt? Oder kommen Sie gar nicht erst raus aus der Spirale und bleiben immer weiter in diesem Kreis fest drin?

10:54 – Achtsamkeit als Weg aus der Stressspirale

Lena Seiferth

Genau, wie versprochen möchte ich Ihnen heute eine Möglichkeit zeigen, wie die Spirale durchbrochen werden kann, und zwar mit der Achtsamkeit. Und vielleicht haben Sie schon mal von Achtsamkeit und Meditation gehört. Für viele kommt dann sehr schnell das Bild von einem im Schneidersitz sitzenden Mann mit einer Klangschale und vielleicht einem Räucherstäbchen. Das ist es auf jeden Fall nicht, den Mythos möchte ich direkt aufheben. Das ist Achtsamkeit oder Meditation auf keinen Fall.

Das kann es sein, wenn man es möchte, aber das muss es auf keinen Fall sein. Grundsätzlich ist Achtsamkeit etwas, was wir absichtlich machen. Das heißt, wir machen eine Tätigkeit, zum Beispiel auch, dass wir jetzt heute hier sind. Wir machen es mit einer Absicht. Wir sind präsent, wir sind hier in dem Moment.

Wir werten nicht darüber, was vielleicht zum Beispiel in unserem Kopf dabei vorgeht, wie diese Situation gerade ist. Wir bewerten nicht. Wir akzeptieren Dinge, wie sie sind, weil wir sie oft in dem Moment auch gar nicht irgendwie verändern können. Aber vielleicht kennen Sie das ja von Ihrem Alltag auch. Wenn man einkaufen ist oder mal einen kleinen Fehler gemacht hat, dass man dann sofort in die Wertung geht.

Entweder war es gut oder war es schlecht, war es zu viel, war es zu wenig. Aber manche Dinge sind einfach, wie sie sind. Und der dritte Punkt ist im gegenwärtigen Moment. Das bedeutet, nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft, nicht in den Gedanken schon in der nächsten WhatsApp-Nachricht: „Das muss ich noch organisieren“, sondern wenn ich Achtsamkeit praktiziere, bin ich im Hier und Jetzt und alles, was davor und danach passiert ist, ist nicht relevant. Das kann nach meiner Achtsamkeitspraxis wieder relevant werden, aber zu dem gegenwärtigen Moment wird es ausgeblendet.

Und dieser Dreiklang, der beschreibt eben, was Achtsamkeit ist. Und das kann auf unterschiedliche Arten und Weisen praktiziert werden. Es gibt nämlich die formelle und die informelle Achtsamkeit. Und bei der formellen Achtsamkeit, habe ich ja gerade schon gesagt, gehe ich aktiv in eine zum Beispiel Meditationshaltung, wie wir es zum Beispiel am Anfang auch gemacht haben. Wir machen auch gleich noch einmal eine Übung, wo wir das auch noch einmal machen.

Das heißt, ich sitze irgendwo, ich schließe meine Augen und ich meditiere. Ich bin achtsam, ich bin absichtlich wertfrei im gegenwärtigen Moment. Dann gibt es aber auch die informelle Achtsamkeit und das ist vielleicht was, was helfen kann, auch mit Schülerinnen und Schülern, Kleinkindern oder auch selbst im Alltag zu machen. Ich höre auch mal teilweise von Kolleginnen und Freunden, dass der Abwasch sehr meditativ sei. Das heißt, informelle Achtsamkeit ist nicht sozusagen die Position im Schneidersitz mit geschlossenen Augen, sondern dass ich vielleicht meine Zähne sehr aufmerksam putze, dass ich dabei nicht noch das Wohnzimmer aufräume mit einer Hand oder meine Serie nebenbei schaue, sondern dass ich im Bad stehe.

Wie stehen meine Füße gerade auf dem Boden? Wie fühlen sich meine Schultern an? Wie putze ich meine Zähne? Das heißt, ich bin in meiner Tätigkeit achtsam und diese zwei Komponenten können gleichermaßen praktiziert werden und das ist für jeden auch ganz individuell entscheidbar, was für einen besser funktioniert als für den anderen. Genau.

Was mir an der Stelle auch wichtig ist, wie gerade schon gesagt, dass es für jeden irgendwie unterschiedlich erlebbar ist. Achtsamkeit ist kein starres Konzept. Es gibt auch unterschiedliche Praktiken, wie es durchgeführt werden kann. Man kann zum Beispiel eine Atemübung machen, eine progressive Muskelentspannung, autogenes Training, vielleicht alles Buzzwords, die Sie schon mal gehört haben, aber so ist es halt auch wirklich. Es ist für jeden unterschiedlich.

Es gibt auch unterschiedliche Definitionen, wie es praktiziert wird. Aber unterm Strich ist es eine lebendig gelebte Erfahrung, die von einem selbst individuell praktiziert werden kann. Und für einen bedeutet es, dass er das häufiger macht, für den anderen weniger häufig. Was sich aber gezeigt hat – das kommt auf der Folie danach noch –, ist, dass Achtsamkeitstraining quasi wie ein Muskeltraining angesehen werden kann.

Also das Gehirn ist quasi ein Muskel. Wir müssen es regelmäßig trainieren. Das heißt nicht, nur weil ich ein einziges Mal eine Achtsamkeitsübung gemacht habe, dass mein Gehirn dahingehend konditioniert ist, dass ich es verinnerlicht habe und dass ich den Alltagstransfer geschafft habe. Das bedeutet, man muss es schon regelmäßiger machen. Das heißt: regelmäßig zwei- bis dreimal die Woche über vielleicht sieben bis zehn Minuten eine kurze Meditationsübung oder eine Achtsamkeitsübung.

Und dann kann sich das Ganze langfristig etablieren. Das ist quasi, wenn wir den Transfer zum Sport machen, so als würde ich sagen, ich will einen Halbmarathon, einen Marathon laufen. Da würde ich auch nicht sagen: „Ja, ich laufe jetzt einmal fünf Kilometer und dann funktioniert das.“ So ungefähr kann man sich das vorstellen, dass es einfach eine gelebte Praxis ist. Genau.

16:01 – Wirkungen und Grenzen von Achtsamkeit

Lena Seiferth

Dann möchte ich noch einmal die Vorteile oder den Einfluss von Achtsamkeit auf die psychische Gesundheit vorstellen und diese Elemente treffen auf alle Personen zu, die Achtsamkeit praktizieren und mit „alle“ meine ich natürlich, dass es keine Altersgrenzen gibt. Bei dem einen oder anderen wird das eine Phänomen stärker beeinflusst als das andere. Das heißt, da muss auch jeder schauen, wo er herkommt. Was mir sehr wichtig ist, dass Achtsamkeit natürlich einen Einfluss auf die psychische Gesundheit hat, aber niemals psychotherapeutische Unterstützung ersetzt. Das heißt, wenn jemand eine gesicherte Diagnose hat, wie zum Beispiel eine Depression oder eine Angststörung, dann kann Achtsamkeitstraining dabei helfen, die Erkrankung entweder zu lindern oder etwas zu verbessern.

Aber es wird niemals eine Therapie ersetzen, die notwendig ist, um eine diagnostizierte Diagnose zu heilen. In der Prävention kann Achtsamkeit natürlich dabei helfen, wie gesagt, das Stresserleben zu reduzieren. Ist ja auch hier einer der positiven Effekte, dass wir von vornherein schaffen, unser Stresserleben zu senken, unsere negativen Gedanken, die wir oft haben, unseren Ärger, das Grübeln, vielleicht auch unsere Ängstlichkeit, dass das sozusagen reduziert werden kann und im Gegenzug dazu aber unser Wohlbefinden gesteigert werden kann, unsere Lebenszufriedenheit. Wir sind oft empathischer, wir haben eine bessere Emotionsregulation und unser Selbstwert kann steigen. Das heißt, das sind alles wirklich sehr, sehr tolle Effekte, die Achtsamkeit bei uns hervorrufen kann.

Und auch hier, wenn man sich einfach beispielsweise den Arbeitsalltag einer Lehrkraft anschaut: Ich kann mir vorstellen, dass gerade der Wechsel zwischen zwei Klassen, man hat nur eine kurze Pause, vielleicht muss man noch kurz an den Drucker, dann will noch hier einer was in der Pause von einem … Das heißt, es ist eigentlich gar nicht so richtig eine Pause.

Und wenn da vielleicht die Möglichkeit besteht, eine kurze Achtsamkeitsübung von ein bis zwei Minuten mit einzubauen, dass sich eben sozusagen manche Impulse, die wir vielleicht dann haben, wenn uns jemand dann noch blöd von der Seite anredet oder die Kinder nicht so leise sind, wie wir es gerne hätten, dass das eben unser Stresserleben reduziert. Wenn wir davon ausgehen, dass ich normalerweise ein Stresserleben von hundert Prozent hätte und schon allein das schafft, durch einen kurzen, achtsamen Moment oder eine Atemübung auf achtzig Prozent, siebzig Prozent runterzufahren, dann ist das ja für den Anfang schon eine wirklich tolle Leistung. Genau.

Dann habe ich noch Aussagen mitgebracht, die man von Lehrkräften oder Schülerinnen und Schülern mehrfach gelesen hat beziehungsweise die mir auch in meiner Recherche begegnet sind und würde auf der nächsten Folie einen kleinen Transfer machen, was das eigentlich indirekt bedeutet. Also direkt könnte eine Lehrkraft zum Beispiel sagen: „Ich liebe meinen Beruf zwar, aber ich merke, dass mir die Energie fehlt, langfristig durchzuhalten, einfach weil der Arbeitsalltag sehr fordernd ist, die Zusammenarbeit mit den Kindern und man hat ja auch noch ein Leben danach, das ein bisschen fordernd ist.“

Dann kann zum Beispiel auch dazukommen: „Manchmal frage ich mich, wie wir in diesem Stress noch wirklich füreinander da sein können.“ Sie als Lehrkraft haben viel Kontakt zu den Kindern, zu den Eltern. Sie sind Anlaufpersonen für viele, die irgendwie Fragen und Sorgen haben. Aber auch Schülerinnen und Schüler könnten so was sagen wie: „Ich kann mich kaum konzentrieren – mein Kopf ist einfach voll.“ Das sind Dinge, die gesagt werden. Was dahinter steckt, ist zum Beispiel sehr viel Grübeln, Unruhe, Stress, Angst oder sogar schon depressive Symptome.

Es kann auch sein, dass es in Richtung Burnout geht. Die Burnout-Quote bei Lehrkräften ist sehr hoch. Und auch bei Kindern können psychosomatische Beschwerden im Alltag immer mehr zunehmen, einfach weil der Leistungsdruck immer höher wird, in der Schule gut zu sein. Wir hatten Covid zunächst. Das sind alles Einflussfaktoren, die unsere Kinder auch beeinflussen.

20:24 – Achtsamkeit als Gesundheitsförderung

Lena Seiferth

Was ich damit sagen will: Achtsamkeit kann eine Gesundheitsförderung im Schulalltag sein, ist aber auf jeden Fall kein Quick Fix. Es ist eine nachhaltige Lösung. Auch hier: Wenn Sie Achtsamkeitstraining in den Schulalltag integrieren, kann es dabei helfen, eine der vielen positiven Effekte hervorzuheben, die ich gerade genannt habe. Aber es muss eben nachhaltig integriert werden und es liegt natürlich dann nicht alleine an Ihnen, im Schulalltag das mit den Kindern durchzuführen. Das kann bei den Kindern helfen.

Das kann Ihnen genauso als Lehrkraft helfen, aber das kann auch eine gute Unterstützung für Eltern sein, wie sie auch darüber hinaus den Kindern helfen, sich vielleicht besser zu regulieren und die Emotionen ein bisschen besser einzuordnen.

21:09 – Kurze Achtsamkeitsübung

Lena Seiferth

Jetzt habe ich ganz viel darüber gesprochen, was Achtsamkeitsübungen sind, wie das Ganze aussehen kann, weshalb ich eine ganz kurze mitgebracht habe. Die ist drei Minuten lang. Ich würde mich sehr, sehr freuen, wenn Sie sich darauf einlassen. Ich würde Ihnen auch hier wieder empfehlen, eine ganz gemütliche Position einzunehmen, Hände auf den Oberschenkeln. Augen können Sie schließen, müssen Sie nicht.

Der Blick kann auch gesenkt werden und sich einfach mal darauf einlassen. Wenn ich es richtig sehe, genau, die Meditation geht ungefähr drei Minuten. Das ist gar nicht lang. Ich würde jetzt einfach mal starten. Lassen Sie sich darauf ein und dann hören wir uns gleich noch einmal.

[Geführte Achtsamkeitsübung: längere stille Passagen; Hintergrundgeräusche teilweise unverständlich]

So, dann können Sie alle wieder zurückkommen. Ich hoffe, es hat bei allen funktioniert. Ich meine, ich habe im Chat hier und da gesehen, dass es nicht überall funktioniert hat. Sie können die Achtsamkeitsübung auch in der 7Mind-App machen. Es tut mir super leid, wenn sie nicht funktioniert hat.

Die war drei Minuten lang. Genau, ich zeige Ihnen gleich, wie Sie zu 7Mind kommen. Dann können Sie die auch noch einmal nachmachen.

25:09 – 7Mind@School im Schulalltag

Lena Seiferth

Grundsätzlich würde ich gerne noch einmal vier Impulse mitgeben, wie 7Mind@School mit in den Alltag mitgenommen werden kann. 7Mind, falls Sie es noch nicht kennen, ist eine App, die Sie über den App Store oder den Play Store herunterladen können. Sie finden dort etliche Meditationen und Achtsamkeitsübungen. Und im Rahmen von 7Mind@School in Kooperation mit der BARMER ist das für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte kostenfrei nutzbar. Über die Details oder auf die Details komme ich gleich noch einmal.

Aber grundsätzlich: Wo könnten die Impulse mit dem Achtsamkeitstraining gesetzt werden? Wie wir es zu Beginn des Vortrags gerade gemacht haben, könnten zum Beispiel vor dem Start der Stunde eine Minute in Stille verbracht werden. Auch dafür können Sie die 7Mind-App benutzen. Die Meditation nennt sich „Stille“ und dann können Sie auch hochregulieren, wie lange diese Stille sein soll. Ich glaube, es geht bis zu 30 Minuten.

Man könnte aber auch regelmäßige Achtsamkeitsübungen in den Unterricht einbauen, zum Beispiel kurze Meditationen wie den Atem beobachten. Wir haben auch eine Meditation, wo man einen Gegenstand von allen Seiten beobachtet. Das heißt, das wäre dann, dass die Schülerinnen und Schüler sich vielleicht selbst was raussuchen, was sie einmal beobachten wollen und dann kann man das innerhalb von drei, vier Minuten gemeinsam anschauen. Auch das kann dabei helfen, die Konzentration zu fördern, dass die Kinder auch noch einmal runterkommen, bevor diese Klasse dann in den Unterricht startet. Und besonders toll finde ich es vor Klassenarbeiten oder Prüfungen.

Das hat mir tatsächlich selbst schon in der Schulzeit geholfen oder vor großen Sportevents, dass man da zum Beispiel einmal die Übung „Klarer Kopf“ macht. Oder wir haben auch die Übung „Prüfungsangst“. Die sind auch nur zwei bis drei Minuten, aber auch da einfach noch einmal runterkommen, die Nerven regulieren, tief ein- und ausatmen, mehr Fokus einleiten und dann geht es weiter in die Klassenarbeit. Und was natürlich auch immer eine Möglichkeit ist, wo es auch Infomaterialien bei BARMER Durchblickt dann gibt, dass man ein Klassenprojekt zur mentalen Gesundheit macht, über eine Woche hinweg.

Wir haben in 7Mind mehrere Kurse, die über sieben Tage hinweg gehen und da könnte man eben den Kurs zusammen als Klasse gemeinsam irgendwie aussuchen und dann durchführen. Und wie versprochen noch einmal ganz kurz dazu: 7Mind@School ist kostenfrei für Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler. Für Lehrkräfte gibt es den kostenfreien Code im Lehrkräftebereich über BARMER Durchblickt und für Eltern und Schülerinnen und Schüler finden Sie viele Informationen im kostenfreien Bereich bei BARMER Durchblickt, dem Eltern- und Schülerbereich. Wir haben dann einen Bereich, der wirklich auf den Schulalltag zugeschnitten ist.

Da gibt es ganz viele Meditationen, die sich darauf konzentrieren, aber im Bereich „Entdecken“ findet ihr dann wirklich alles, was es noch braucht, weil das Leben nach der Schule ja auch gerne noch weitergeht. Das betrifft auch alle. Das heißt, da kann man ein bisschen durchschmökern. Es gibt viele Einschlafmeditationen. Das Thema Stress wird sehr stark behandelt, Persönlichkeitsentwicklung, Umgang mit meinen Mitmenschen.

Das heißt, im Bereich „Entdecken“ gibt es noch vieles mehr. Und was ich wirklich, wirklich toll finde, auch alle unsere Präventionskurse, die zertifiziert sind. Die sind wissenschaftlich betreut und haben einen positiven Effekt, sonst dürften wir sie so nicht verkaufen. Da finden Sie alle Präventionskurse, die wir bei 7Mind haben, auch einen für Eltern. Das heißt, hier geht's schwerpunktmäßig um das Familienleben. Auch da gerne einmal reinschnuppern.

Und hier habe ich nur noch einmal zusammengefasst, was für die Einzelnen zu erwarten ist. Genau. Okay, perfekt. Der Vortrag wurde gerade auch aufgenommen. Der wird auch noch einmal auf der Webseite des Events hier dann zu finden sein, dass Sie den auch gerne noch einmal anschauen können.

Wie gesagt, falls Sie Interesse an 7Mind@School haben und Achtsamkeit mit in den Schulalltag einfließen lassen wollen, für die Kinder, für die Eltern oder auch einfach für Sie selbst, dann finden Sie alle weiteren Informationen auf durchblickt.de und ich freue mich sehr, wenn Sie mal reinschnuppern. Der Zugang ist, wie gesagt, kostenlos für alle Beteiligten.

29:37 – Abschluss

Lena Seiferth

Ein letztes Zitat, bevor ich zum Ende komme, habe ich noch, weil ich es wirklich toll fand – von Jon Kabat-Zinn, der die Achtsamkeitspraxis teilweise mitdefiniert hat: „Du kannst die Wellen nicht aufhalten, aber du kannst lernen, auf ihnen zu surfen.“ Das heißt, wir werden immer wieder Herausforderungen in unserem Leben haben und am Ende geht es dann oft darum, wie wir auf diese Herausforderungen reagieren, dass unser Leben weiterhin im Gleichgewicht bleibt. Jetzt wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Nachmittag und bedanke mich sehr für Ihre Teilnahme an dem Event.