Welche digitalen Phänomene belasten Schülerinnen und Schüler am meisten? Und wie hängt das mit psychischer Gesundheit zusammen?
Zuerst möchte ich betonen: Digitalität gehört zur Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern und ist nicht per se belastend. Trotzdem gibt es im digitalen Raum verschiedene Dinge, die sie belasten können.
Cybermobbing auf jeden Fall, das ist einer der am stärksten belastendsten Faktoren. Das bedeutet, dass ich zum Beispiel aus sozialen Gruppen im digitalen Raum ausgeschlossen werde. Aber es bedeutet auch, dass ich Hassnachrichten bekomme, dass Fake-Bilder oder echte Fotos von mir rumgeschickt werden, dass ich also digitale Gewalt erfahre.
Da wissen wir, dass das zum klassischen analogen Mobbing – also jemand beleidigt mich auf dem Schulhof oder ich darf nicht mitspielen – noch mal besonders belastende Qualitäten hat, weil es im digitalen Raum mit einem unendlichen Publikum passiert. Im Prinzip kann die ganze Schule oder vielleicht auch Nachbarschulen oder über Social Media die ganze Welt teilnehmen. Und es hört nie auf, es dringt auch in die Freizeit von Kindern und Jugendlichen ein. Das bedeutet, ich habe es auch zu Hause, ich habe es nachts, ich kann mich davor eigentlich nicht schützen. Damit ist gerade Cybermobbing wirklich das, was bei Kindern und Jugendlichen, wenn es auftritt, ganz erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann.
Eine wichtige Rolle im Kontext sozialer Medien spielen zum Beispiel sich vergleichen und sich darstellen: Wie viele Likes bekomme ich? Wie gut komme ich rüber im Vergleich mit anderen? Ein zentraler Mechanismus von sozialen Medien ist ja der Like, also die soziale Rückmeldung: Wie finden mich andere? Wie schnell bekomme ich eine Rückmeldung? Und was ist, wenn die Rückmeldung ausbleibt?
Aber es gibt auch Phänomene, die mit psychischen Erkrankungen zusammenhängen, wie zum Beispiel körperliche Schönheitsideale. Das geht auch in Richtung Vergleichsdruck. Es gibt sehr viele Influencerinnen und Influencer und sehr viele Kanäle, die suggerieren, dass Dünn-Sein die Norm ist. Oder die durch Krankheiten Zugehörigkeit stiften, wodurch bestimmte Krankheitsbilder wie Essstörungen stabilisiert werden.