Ein Jugendlicher steht vor einem Spiegel in einem hellen, minimalistischen Raum. Im Vordergrund ist sein Hinterkopf unscharf zu sehen, im Spiegel blickt er sich selbst freundlich und ruhig an. Das Bild illustriert das Thema Selbstwahrnehmung und Körperbild bei Jugendlichen. BARMER-Durchblickt-artikel-eltern-kunstliche-ideale-header.jpg

Medienbegleitung

Unrealistische Schönheitsideale: So stärken Eltern das Körperbild ihrer Kinder

18. Aug. 2026
6 Minuten

Makellose Selfies, Beauty-Challenges und immer neue Style-Trends: Kinder und Jugendliche begegnen in sozialen Medien täglich Bildern, die oft wenig mit der Realität zu tun haben. Doch wie beeinflussen diese Inhalte das Körperbild junger Menschen? Und wie können Eltern unterstützen, ohne zu kontrollieren und zu belehren? 

 

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Praktische Tipps gegen Vergleichsdruck, Bodyshaming und negative Selbstwahrnehmung in sozialen Medien

Wenn der Körper plötzlich zum Vergleichsobjekt wird

Viele Eltern beobachten irgendwann eine Veränderung: Aus einem Kind, das seinen Körper ganz selbstverständlich nutzt, um zu rennen, zu spielen, zu klettern, zu kuscheln und die Welt zu entdecken, wird ein Jugendlicher oder eine Jugendliche, der oder die sich plötzlich vergleicht, versteckt oder schämt.

Oft beginnt dieser Wandel nicht mit dem Körper selbst. Kinder haben meist kaum Probleme damit, wie sie aussehen. Erst später, wenn sich Gespräche mit Freundinnen und Freunden immer stärker um Modetrends, Aussehen und Körper drehen – und spätestens nach kritischen Kommentaren von außen – beginnen die Vergleiche mit anderen und Vorstellungen davon, wie ein Körper angeblich aussehen sollte, rücken immer mehr in den Vordergrund.

Soziale Medien können diesen Prozess verstärken. Wie stark dieser Einfluss wahrgenommen wird, zeigt eine Jugendstudie von Saferinternet.at1: 65 Prozent der befragten Jugendlichen sehen einen Zusammenhang zwischen Inhalten in sozialen Netzwerken und ihrem eigenen Schönheitsempfinden. 71 Prozent sagen außerdem, dass Social Media dazu führt, sich mit anderen zu vergleichen und 53 Prozent geben sogar an, aufgrund entsprechender Bilder schon einmal etwas an ihrem Aussehen verändert zu haben.

Aus psychologischer Sicht ist dabei besonders relevant, dass solche Vergleiche meist nicht bewusst passieren. Genau deshalb kann es hilfreich sein, gemeinsam innezuhalten und sich immer wieder diese Fragen zu stellen: „Was passiert gerade in mir, wenn ich diesen Content sehe?“ 

„Der Körper ist nicht nur etwas, das andere sehen. Er ist vor allem der Teil von uns, mit dem wir die Welt erleben.“

Was ist digitales Bodyshaming?

Digitales Bodyshaming bedeutet, dass Menschen im Internet aufgrund ihres Aussehens bewertet, kritisiert oder abgewertet werden – etwa durch beleidigende Kommentare unter Posts oder in privaten Nachrichten.

Bodyshaming ist dabei nicht einfach nur ein harmloser Kommentar. Wird ein Mensch wiederholt wegen seines Körpers abgewertet oder ausgeschlossen, kann das eine Form von Mobbing sein. Besonders verletzend ist dabei oft das Gefühl, nicht dazuzugehören oder weniger wert zu sein als andere. Solche Erfahrungen können das Körperbild junger Menschen nachhaltig beeinflussen. 

Warum sind Kinder und Jugendliche besonders anfällig für Vergleiche?

Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für Vergleiche, weil sie sich in einer Phase der Identitätsentwicklung befinden: Sie finden heraus, wer sie sind, was ihnen wichtig ist und wie sie von anderen wahrgenommen werden. Dabei spielen Zugehörigkeit und Anerkennung oft eine besonders große Rolle.

Unsicherheiten gehören in dieser Lebensphase dazu und sind zunächst nichts Ungewöhnliches oder Beunruhigendes. Klar, denn das eigene Körperbild ist noch nicht so stabil wie bei den meisten Erwachsenen. Gerade deshalb können Kinder und Jugendliche jedoch empfindlicher auf Vergleiche reagieren. Wenn soziale Medien täglich bestimmte Schönheitsideale zeigen, kann schnell der Eindruck entstehen, mit dem eigenen Körper stimme etwas nicht. 

Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind unter Vergleichsdruck steht?

Nicht jede kritische Bemerkung über das eigene Aussehen ist sofort ein Warnsignal. Dennoch können folgende Veränderungen aufmerksam machen:

  • Häufige negative Bemerkungen über den eigenen Körper
  • Ständiges Vergleichen mit Personen aus sozialen Medien
  • Große Sorge um das eigene Aussehen
  • Deutlich schlechtere Stimmung nach der Nutzung sozialer Medien

Solche Signale bedeuten nicht automatisch, dass ein ernstes Problem vorliegt. Sie können aber Anlass sein, das Gespräch zu suchen. 

Wie können Eltern konkret unterstützen?

Kinder und Jugendliche brauchen in diesem Thema meist keine Vorträge, sondern Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner.  

 

1. Interesse zeigen und Gefühle ernst nehmen

Hilfreich kann es sein, Interesse an den genutzten Plattformen und Inhalten zu zeigen. Gemeinsam können Eltern und Kinder über Filter, Bildbearbeitung und Inszenierung sprechen. Nach Bodyshaming oder verletzenden Kommentaren ist es wichtig, erst zu verstehen, was passiert ist und wie sich das Kind gefühlt hat. Sätze wie „Ist doch egal, was andere sagen“ oder „Du bist schön, so wie du bist“ können schnell am eigentlichen Gefühl vorbeigehen. Hilfreicher ist es dann oft, die Verletzung erst einmal anzuerkennen: „Das war wirklich gemein.“ Oder: „Ich kann verstehen, dass dich das trifft.“
 

2. Autonomie anerkennen

Wichtig ist allerdings auch: Eltern können nicht jede Unsicherheit auffangen. Gerade in der Jugend sind Freundinnen und Freunde besonders zentral. Hier lösen sie sich ein Stück weit aus der Familie heraus und formen ihre ganz eigene soziale Identität. Das Bedürfnis dazuzugehören, respektiert und gemocht zu werden, ist in dieser Lebensphase deshalb sehr stark – und vollkommen normal.
 

3. Eigene Werte kennenlernen und einbeziehen

Ein Gespräch über Werte ist nicht nur tiefgründig und beziehungsstärkend, sondern kann auch einen gesunden Medienumgang erleichtern. Vielleicht interessiert sich der oder die Jugendliche ja zum Beispiel für Body Positivity und Vielfalt. Eltern können dazu ermutigen, Menschen oder Organisationen zu folgen, die diese Werte verkörpern. Damit unterstützt das Kind nicht nur Inhalte, die es wichtig findet – es beeinflusst auch aktiv den eigenen Algorithmus: Denn wer bestimmten Accounts folgt und mit ihren Inhalten interagiert, bekommt eher ähnlichen Content angezeigt. So kann der eigene Feed stärker zu dem passen, was ihm oder ihr etwas bedeutet und guttut.
 

4. Vorbild sein  

Kinder und Jugendliche hören außerdem sehr genau hin, wie zu Hause über Körper gesprochen wird. Das betrifft andere Menschen genauso wie den eigenen Körper der Eltern. Wer regelmäßig Aussehen bewertet oder sich selbst abwertet, vermittelt oft ungewollt die Botschaft, dass der Wert eines Menschen eng mit seinem Äußeren verbunden ist.
 

 5. Erleben statt Bewerten

Außerdem kann es helfen, Kinder und Jugendliche zu Aktivitäten zu ermutigen, die sie wieder ins Erleben statt ins Bewerten bringen. Viele junge Menschen erleben ihren Körper irgendwann vor allem durch den Blick anderer. Umso wertvoller können Erfahrungen sein, bei denen der Körper wieder einfach da sein darf: beim Sport, Tanzen, Klettern, Musizieren, Spielen oder bei anderen Aktivitäten, die Freude machen und Lebendigkeit vermitteln.
 

Der Körper wird dann wieder zu etwas, mit dem man die Welt erlebt – und nicht nur zu etwas, das bewertet wird. Und das gilt übrigens nicht nur für junge Menschen! Achtsamkeit kann außerdem helfen, den Fokus wieder stärker auf unmittelbare Körperempfindungen zu lenken. Zum Beispiel: Wie fühlt sich mein Körper beim Tanzen, Rennen oder Musizieren gerade an? Nicht: Wie sehe ich dabei aus? 

„Wer den eigenen Feed bewusst gestaltet, kann auch beeinflussen, welche Bilder und Botschaften den eigenen Blick auf den Körper prägen.“

Extra-Tipp: Eigene Erfahrungen teilen

Manchmal kann es hilfreich sein, bei sich selbst anzufangen. Welche Unsicherheiten in Bezug auf das eigene Aussehen kennen Sie vielleicht noch aus Ihrer Jugend? Welche Schönheitsideale haben Sie damals beschäftigt und welche erscheinen heute rückblickend weniger wichtig? Sind da vielleicht auch heute noch Unsicherheiten?

Sich darüber ehrlich auszutauschen kann verbinden. Gleichzeitig erleben Kinder und Jugendliche dadurch, dass Unsicherheiten etwas Menschliches sind, wie Schönheitsideale sich mit der Zeit verändern und wie relativ sie sind. 

Was haben Achtsamkeit und Selbstliebe damit zu tun?

Achtsamkeit und Selbstliebe können Kindern und Jugendlichen helfen, einen freundlicheren Blick auf ihren Körper zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, den eigenen Körper jederzeit schön oder perfekt zu finden – oder negative Gedanken sofort durch positive zu ersetzen. Denn gerade das kann sich manchmal künstlich anfühlen und nach hinten losgehen (hier mehr zu Toxic Positivity2). Ein erster Schritt kann also viel kleiner sein: den Gedanken überhaupt als Gedanken zu erkennen. Dadurch wird ein Gedanke wie: „Ich bin zu dick für dieses Top“ zu einem: „Ich habe gerade den Gedanken, dass ich zu dick für dieses Top bin.“ 

Das klingt vielleicht zunächst nach keinem großen Unterschied, doch genau so entsteht ein gewisser Abstand zu dem Gedanken – und damit die Möglichkeit, nicht automatisch nach ihm zu handeln. Oder die Chance, ihn sogar zu hinterfragen und durch einen eher neutralen Gedanken auszutauschen. Auch eine Metta-Meditation3 kann dabei unterstützen, sich selbst mit mehr Freundlichkeit und Mitgefühl zu begegnen und diese Haltung Schritt für Schritt zu üben. 

Fazit: Kritisch hinterfragen statt blind vergleichen

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Vergleiche gehören zur Entwicklung dazu – soziale Medien können sie jedoch verstärken.
  • Gefühle nach Bodyshaming oder Vergleichen sollten vor allem ernst genommen und nicht vorschnell relativiert werden.
  • Ein wertschätzendes Gespräch wirkt meist mehr als Verbote oder Belehrungen.
  • Ein vielfältiger Feed, Achtsamkeit und Selbstmitgefühl können ein gesundes Körperbild stärken.
  • Langfristig hilft vor allem die Fähigkeit, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen.

Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer digitalen Welt auf, in der Schönheitsideale ständig präsent sind. Eltern können diesen Druck nicht vollständig verhindern. Sie können ihre Kinder jedoch dabei unterstützen, soziale Medien kritisch einzuordnen, Vergleiche bewusster wahrzunehmen und einen freundlicheren Blick auf sich selbst zu entwickeln.

Denn langfristig schützt nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch digitale Gesundheitskompetenz und damit die Fähigkeit, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen. 

Für alle, die noch tiefer eintauchen wollen:

Die folgenden Angebote geben zusätzliche Informationen und konkrete Anregungen, wie Kinder und Jugendliche im Umgang mit Körperbildern und sozialen Medien begleitet werden können:

Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ): Digitaler Optimierungsdruck – Kinder und Jugendliche zwischen SkinnyTok, Fitspiration und Body Positivity – Fachbeiträge zu aktuellen Social-Media-Trends, Körperidealen und deren Einfluss auf das Selbstbild junger Menschen.

7Mind: Mit Achtsamkeit zu weniger Bodyshaming und mehr Selbstliebe  – Achtsamkeitsimpulse zum Umgang mit Bodyshaming und der inneren kritischen Stimme.

BARMER: Wie Jugendliche digitale Gesundheit erleben– Hintergrundinformationen zum Einfluss digitaler Medien auf Körperbilder und Schönheitsideale.

 

Tipp für Familien: Mit 7Mind@School können Eltern und Kinder gemeinsam kurze Achtsamkeitsübungen in den Alltag integrieren – für mehr innere Ruhe und einen freundlicheren Blick auf sich selbst. Der Zugang ist über BARMER Durchblickt kostenfrei.

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Quellen und weiterführende Links:

1Vgl. klicksafe. (2024). Neue Studie von Saferinternet.at: Schönheitsideale im Internet.   https://www.klicksafe.de/news/studie-schoenheitsideale-im-internet 

2Vgl. 7Mind. Toxic Positivity: Von der Gefahr, sich selbst zu belügen.   https://www.7mind.de/magazin/toxic-positivity-gefuehle-ehrlichkeit-positiv-denken 

3Vgl. 7Mind. Metta Meditation: Ach du liebevolle Güte!   https://www.7mind.de/magazin/metta-meditation-liebe-mitgefuehl 

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