Kinder und Jugendliche brauchen in diesem Thema meist keine Vorträge, sondern Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner.
1. Interesse zeigen und Gefühle ernst nehmen
Hilfreich kann es sein, Interesse an den genutzten Plattformen und Inhalten zu zeigen. Gemeinsam können Eltern und Kinder über Filter, Bildbearbeitung und Inszenierung sprechen. Nach Bodyshaming oder verletzenden Kommentaren ist es wichtig, erst zu verstehen, was passiert ist und wie sich das Kind gefühlt hat. Sätze wie „Ist doch egal, was andere sagen“ oder „Du bist schön, so wie du bist“ können schnell am eigentlichen Gefühl vorbeigehen. Hilfreicher ist es dann oft, die Verletzung erst einmal anzuerkennen: „Das war wirklich gemein.“ Oder: „Ich kann verstehen, dass dich das trifft.“
2. Autonomie anerkennen
Wichtig ist allerdings auch: Eltern können nicht jede Unsicherheit auffangen. Gerade in der Jugend sind Freundinnen und Freunde besonders zentral. Hier lösen sie sich ein Stück weit aus der Familie heraus und formen ihre ganz eigene soziale Identität. Das Bedürfnis dazuzugehören, respektiert und gemocht zu werden, ist in dieser Lebensphase deshalb sehr stark – und vollkommen normal.
3. Eigene Werte kennenlernen und einbeziehen
Ein Gespräch über Werte ist nicht nur tiefgründig und beziehungsstärkend, sondern kann auch einen gesunden Medienumgang erleichtern. Vielleicht interessiert sich der oder die Jugendliche ja zum Beispiel für Body Positivity und Vielfalt. Eltern können dazu ermutigen, Menschen oder Organisationen zu folgen, die diese Werte verkörpern. Damit unterstützt das Kind nicht nur Inhalte, die es wichtig findet – es beeinflusst auch aktiv den eigenen Algorithmus: Denn wer bestimmten Accounts folgt und mit ihren Inhalten interagiert, bekommt eher ähnlichen Content angezeigt. So kann der eigene Feed stärker zu dem passen, was ihm oder ihr etwas bedeutet und guttut.
4. Vorbild sein
Kinder und Jugendliche hören außerdem sehr genau hin, wie zu Hause über Körper gesprochen wird. Das betrifft andere Menschen genauso wie den eigenen Körper der Eltern. Wer regelmäßig Aussehen bewertet oder sich selbst abwertet, vermittelt oft ungewollt die Botschaft, dass der Wert eines Menschen eng mit seinem Äußeren verbunden ist.
5. Erleben statt Bewerten
Außerdem kann es helfen, Kinder und Jugendliche zu Aktivitäten zu ermutigen, die sie wieder ins Erleben statt ins Bewerten bringen. Viele junge Menschen erleben ihren Körper irgendwann vor allem durch den Blick anderer. Umso wertvoller können Erfahrungen sein, bei denen der Körper wieder einfach da sein darf: beim Sport, Tanzen, Klettern, Musizieren, Spielen oder bei anderen Aktivitäten, die Freude machen und Lebendigkeit vermitteln.
Der Körper wird dann wieder zu etwas, mit dem man die Welt erlebt – und nicht nur zu etwas, das bewertet wird. Und das gilt übrigens nicht nur für junge Menschen! Achtsamkeit kann außerdem helfen, den Fokus wieder stärker auf unmittelbare Körperempfindungen zu lenken. Zum Beispiel: Wie fühlt sich mein Körper beim Tanzen, Rennen oder Musizieren gerade an? Nicht: Wie sehe ich dabei aus?