Nahaufnahme von zwei Händen, die sich halten: eine Erwachsenenhand und eine Kinderhand als Symbol für Geborgenheit und Vertrauen. 20260910_DGK_Q4_Artikel_Resilienz-foerdern.jpg

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Wie können Eltern die Resilienz ihrer Kinder fördern?

11. Aug. 2026
8 Minuten

Streit in der Clique, eine schlechte Note, eine große Veränderung: Herausforderungen gehören zum Aufwachsen dazu. Doch wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, Vertrauen in sich selbst zu entwickeln und nach schwierigen Phasen wieder ins Gleichgewicht zu finden? Das weiß Psychologin Juliane Meyer-Benz.

 

Wie lernen Kinder mit Rückschlägen, Unsicherheit und Krisen umzugehen?

Welchen Weg wird mein Kind einmal gehen? Wird es Herausforderungen selbstbewusst meistern? Kann es mit Enttäuschungen umgehen, wenn einmal nicht alles nach Plan läuft?

Solche Fragen beschäftigen viele Eltern. Schließlich lässt sich das Leben nicht vorhersagen. Streit mit Freundinnen und Freunden, eine schwierige Phase in der Schule oder Krisen gehören zum Aufwachsen dazu. Heutzutage zunehmend auch in digitaler Form: Social-Media-Druck, Konflikte in Gruppenchats oder das Gefühl, mit anderen mithalten zu müssen, sind für viele Kinder und Jugendliche ebenso Teil des Alltags wie Herausforderungen im echten Leben.

Doch Kinder brauchen nicht vor jeder Schwierigkeit bewahrt zu werden. Viel wichtiger ist, dass sie lernen, mit Belastungen umzugehen. Genau darum geht es bei mentaler Resilienz. 

Was bedeutet Resilienz?

Mentale Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen, nach Rückschlägen wieder ins Gleichgewicht zu finden und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern entsteht durch Erfahrungen, Beziehungen und die Umwelt.1 Resilienz wird dabei als Entwicklungsprozess verstanden: Kinder lernen den Umgang mit Belastungen durch das Zusammenspiel ihrer eigenen Voraussetzungen und ihrer Erfahrungen. Besonders wichtig sind dabei verlässliche Beziehungen, Unterstützung und die Möglichkeit, eigene Lösungen auszuprobieren.1

Resiliente Kinder sind nicht immer glücklich, mutig oder gelassen. Auch sie erleben Angst, Wut, Traurigkeit oder Überforderung. Psychische Stärke bedeutet nicht, schwierige Gefühle zu vermeiden, sondern einen Umgang mit ihnen zu finden. Ein verlorenes Fußballspiel, eine schlechte Klassenarbeit oder eine ausgebliebene Geburtstagseinladung können schmerzhaft sein. Psychische Widerstandskraft zeigt sich nicht darin, dass solche Momente keine Bedeutung haben. Sie zeigt sich darin, dass Kinder erleben: “Ich kann damit umgehen.”

Warum brauchen Kinder Herausforderungen?

Wenn das eigene Kind leidet, möchten viele Eltern den Schmerz sofort nehmen. Das ist verständlich. Gleichzeitig entstehen Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit vor allem durch eigene Erfahrungen.

Selbstwirksamkeit bedeutet das Vertrauen, schwierige Situationen bewältigen zu können. Dieses Gefühl wächst nicht dadurch, dass immer alles gelingt, sondern dadurch, dass Kinder erleben: „Ich habe etwas Schwieriges geschafft.“2 Das heißt nicht, Kinder allein zu lassen. Sie brauchen Begleitung und Unterstützung. Aber nicht jede Hürde muss aus dem Weg geräumt werden. Manchmal besteht die größte Hilfe darin, an der Seite des Kindes zu bleiben, während es selbst eine Lösung findet.

Wie kann Resilienz im Alltag gefördert werden?

Resilienz entsteht nicht durch eine einzelne Erziehungsmaßnahme, sondern durch viele kleine Erfahrungen im Alltag. Dazu gehört auch, wie Kinder lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, sie wahrzunehmen, einzuordnen und zu verstehen, anstatt unangenehme Gefühle wegdrücken. Wie Eltern dabei am besten unterstützen können, hängt stark vom Alter des Kindes ab.

Für jüngere Kinder helfen vor allem:

  • Gemeinsames Benennen von Gefühlen, etwa mit einfachen Fragen wie „Bist du wütend oder traurig?" 
  • Kleine, altersgerechte Aufgaben, die Selbstständigkeit stärken (z. B. Tisch decken, Zimmer aufräumen)
  • Verlässliche Routinen und einfache Beruhigungsrituale, die Sicherheit geben.

Für ältere Kinder und Jugendliche sind eher hilfreich:

  • Offene Gespräche statt vorschneller Ratschläge, etwa mit Fragen wie „Was könnte dir jetzt helfen?"
  • Mehr Mitspracherecht bei Entscheidungen und die Möglichkeit, eigene Lösungen auszuprobieren.
  • Wertschätzung von Einsatz und Durchhaltevermögen, auch wenn Ergebnisse mal nicht wie gewünscht ausfallen.

Unabhängig vom Alter gilt: Kinder lernen emotionale Selbstregulation vor allem durch Beobachtung. Wenn Erwachsene ihren eigenen Stress bewusst wahrnehmen und regulieren, können sie Kindern einen hilfreichen Umgang mit Gefühlen vorleben.3 Auch Zeit für Gespräche und gemeinsame Erlebnisse stärken Kinder in jeder Entwicklungsphase. Doch die wichtigste Botschaft für Kinder lautet: Herausforderungen gehören zum Leben dazu. Und ich muss ihnen nicht allein begegnen.

“Kinder brauchen keine perfekte Kindheit, um resilient zu werden. Sie brauchen Menschen, die ihnen zutrauen, zu wachsen.”

Verlässliche Beziehungen machen Kinder stark

Die Resilienzforschung zeigt: Kinder werden nicht stark, weil sie mit Schwierigkeiten allein gelassen werden. Sie wachsen daran, wenn sie Unterstützung erfahren und gleichzeitig erleben: “Ich kann Herausforderungen Schritt für Schritt meistern.”

Die Kauai-Studie von Emmy Werner und ihrem Team begleitete fast 700 Kinder über mehrere Jahrzehnte. Viele wuchsen unter schwierigen Bedingungen auf. Besonders wichtig für eine positive Entwicklung waren schützende Faktoren wie stabile Beziehungen, mindestens eine verlässliche Bezugsperson und die Erfahrung, Herausforderungen bewältigen zu können.4 Die Entwicklungspsychologin Ann S. Masten beschreibt Resilienz deshalb als „ordinary magic“: Sie entsteht häufig durch alltägliche Schutzfaktoren wie Beziehungen, Unterstützung und die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten zu entwickeln.5

“Eltern müssen nicht jedes Problem lösen. Manchmal ist das Wertvollste, einfach da zu sein.”

Wie kann Achtsamkeit resilienter machen?

Achtsamkeit kann Kindern helfen, ihre Gedanken, Gefühle und Stressreaktionen bewusster wahrzunehmen. Studien zu achtsamkeitsbasierten Programmen zeigen Hinweise darauf, dass Achtsamkeit unter anderem die Aufmerksamkeitsfähigkeit und den Umgang mit Stress und Emotionen unterstützen kann.6 Schon kurze Atem- oder Körperwahrnehmungsübungen können Fähigkeiten fördern, die für Selbstregulation wichtig sind.

Mit 7Mind@School erhalten Eltern und Kinder Zugang zu Achtsamkeitsübungen, Meditationen und Entspannungsangeboten, die sich einfach in den Schul- und Familienalltag integrieren lassen.

Fazit: Resilient sein heißt nicht, alles allein zu schaffen

Psychische Stärke bedeutet nicht, keine Schwierigkeiten zu haben. Resiliente Kinder dürfen traurig sein, Angst haben und Hilfe brauchen. Sie lernen Schritt für Schritt, mit Herausforderungen umzugehen und Vertrauen in sich selbst aufzubauen.

Kinder brauchen deshalb keine perfekte Kindheit. Sie brauchen sichere Beziehungen, Unterstützung und die Erfahrung: “Ich kann wachsen, auch wenn nicht immer alles leicht ist.”

Das Wichtigste in Kürze:

  • Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern entsteht durch Erfahrungen und Beziehungen.
  • Kinder brauchen Herausforderungen, um Selbstvertrauen zu entwickeln.
  • Eltern können unterstützen, indem sie Gefühle ernst nehmen und gemeinsam Lösungen finden.
  • Verlässliche Beziehungen sind der wichtigste Schutzfaktor.
  • Kinder müssen nicht alles allein bewältigen. Auch Angst, Traurigkeit und Hilfe gehören dazu.

 

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Weiterführende Informationen von der BARMER

Resilienz bei Kindern: So machen Sie Ihr Kind fit für Herausforderungen

Digitale Resilienz: Können ist gut – Lernlust ist besser. Und gesünder auch.

Innere Stärke: Wie sich Resilienz aufbauen lässt


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Quellen

1Fingerle, M. (2011). Resilienz deuten – Schlussfolgerungen für die Prävention.

2Bandura, A. (1997). Self-Efficacy: The Exercise of Control.

3Morris, A. S. et al. (2007). The role of the family context in the development of emotion regulation.

4Werner, E. E., & Smith, R. S. (2001). Journeys from Childhood to Midlife.

5Masten, A. S. (2014). Ordinary Magic: Resilience in Development.

6Zenner, C., Herrnleben-Kurz, S., & Walach, H. (2014). Mindfulness-based interventions in schools—A systematic review and meta-analysis.

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