Welche Rolle spielen digitale Medien und Social Media bei der psychischen Belastung von Kindern und Jugendlichen? Wo sehen Sie die größten Risiken? Und wo auch Chancen?
Man muss das ein bisschen zweiteilen. Auf der einen Seite sehen wir, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die einen sehr starken und auch einen suchtartigen Gebrauch haben. Je nach Studie2, sind das so um die sechs bis sieben Prozent aller Kinder und Jugendlichen, bei denen es zu viel Mediengebrauch gibt. Und wo das auch dazu führt, dass der Alltag vernachlässigt wird.
Aber es sind eben nicht alle Kinder und Jugendlichen. Das ist wichtig! Es gibt viele Jugendliche, die sehr verantwortungsvoll mit dem digitalen Raum umgehen. Man sieht auch in großen Studien – es kam jetzt gerade nochmal eine Metaanalyse3 –, dass Social Media oder insgesamt digitale Zeit nur einen sehr, sehr kleinen Einfluss auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Gesamtbevölkerung hat.
Außerdem ist es so, dass Digitalität ein Lebensraum, ein Sozialisationsraum für Kinder und Jugendliche ist, der dazugehört. Das zeigt sich auch in Studien4: Kindern und Jugendlichen mit einem altersangemessenen, begleiteten und begrenzten Umfang an Digitalität geht es am besten, weil sie sich vernetzen können und dort Themen mit anderen teilen können, die sie verbinden.
Gleichzeitig gibt es natürlich auch im digitalen Raum – unabhängig von der Nutzungsdauer – Konstellationen, in denen Kinder und Jugendliche gefährdet sind. In denen sie zum Beispiel Hassnachrichten bekommen, in denen sie digitale Gewaltinhalte bekommen, Zugang zu Pornografie haben, in denen sie Cybergrooming ausgesetzt sind. Das sind Gefahren, vor denen Eltern ihre Kinder schützen und für die man aufmerksam machen muss.