Klingt doch super, dass Teenagern nun in der Hochphase ihrer sexuellen Entwicklung und Neugier immer verfügbare, gut informiere Peers zur Verfügung stehen. Oder? Grundsätzlich ja. Gerade bei schambesetzten Themen können Jugendliche eher Antworten finden. Aber die Fülle an Informationen kann auch überfordern. Genau wie die Inhalte. Sofern keine entsprechenden Filtersysteme oder Jugendschutzprogramme installiert sind9, landen Kinder und Jugendliche über Online-Suchen auch potenziell auf Pornoseiten.
Wer einfach mal „Blowjob“ googelt, wird sehen, wie schnell das zu expliziten Inhalten führt, die eher keinen Bildungsauftrag verfolgen. Hier wird trotzdem durchaus neugierig draufgeklickt. Über 15 % benennen Pornos als Hauptquelle ihrer sexuellen Bildung.10 Gerade für Jungen spielen sie eine wichtige Rolle beim Wissenserwerb.11 Dafür sind sie aber eigentlich nicht gemacht und in vielerlei Hinsicht ungeeignet. Abgesehen davon variiert die Qualität von Inhalten stark. Und es besteht immer die Gefahr, dass Jugendliche an unvollständiges Laienwissen, verwirrende Einzelfälle, Desinformation oder auch ideologisch aufgeladene Inhalte geraten. Man denke nur an „Alpha-Männer“ wie Andrew Tate, die im Internet ihre absurden Ideen von Geschlechterrollen verbreiten oder sexualisierte Gewalt herunterspielen.12 Wie beim Wissenserwerb zu anderen Themen braucht es auch hier vor allem Medienkompetenz, um schädliche Botschaften zu identifizieren und auszusortieren.