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Datum 24 Okt, 2022

Gesundheit wird digital

Heute gehören Medien selbstverständlich zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Gerade im Internet treffen sie auf eine Vielzahl ungefilterter Informationen – auch zu Gesundheitsthemen. Wie kann Digitalisierung und Gesundheit im Unterricht so verknüpft werden, dass Schülerinnen und Schüler den Durchblick bei Gesundheitsinformationen im Internet behalten?

Digitale Technologien sind Risiko und Chance zugleich: Sie geben den potentiellen Zugang zu validen ebenso wie falschen Gesundheitsinformationen und sie können selbst vorteilhaft oder schädigend auf die gesundheitliche Verfassung der Nutzerinnen und Nutzer wirken. Wer nach Krankheitssymptomen oder Gesundheitsfragen googelt, erhält viele Antworten sehr unterschiedlicher Art: Welche Information ist nun richtig, welche trifft auf die eigene Gesundheit zu und ist auf sie anwendbar, und welche sollte weiterverbreitet oder lieber gar nicht geteilt werden? 

Hier den Überblick zu bewahren, ist nicht einfach. Denn der Umgang mit Gesundheitsinformationen im Internet erfordert digitale Gesundheitskompetenz: Die Fähigkeit, mit Informationen zu Gesundheit im Internet kompetent umzugehen. Lehrkräfte können die Potentiale digitaler Technologien rund um Informationen zur Gesundheit für Schülerinnen und Schüler konstruktiv nutzbar machen, denn Gesundheits- und Medienkompetenz wirken unmittelbar auf Gesundheit.

Die Vermittlung digitaler Gesundheitskompetenz ist eine weitere Facette der schulischen Gesundheitsförderung und beinhaltet auch Medienkompetenz.


Digitale Gesundheitskompetenz im Unterricht

Das Thema digitale Gesundheitskompetenz mag der Lebenswelt Jugendlicher fern erscheinen. Fragt man aber einmal, wer am häufigsten Informationen zur Gesundheit googelt, stellt man fest, dass es Jugendliche und junge Erwachsene sind. Ausgerechnet die Altersgruppe, die selbst am seltensten krank1 ist. Eine Studie der Hochschule Fulda zeigt: Informationen zu Bewegung und Sport suchen Jugendliche am häufigsten, gefolgt von Ernährung, Bodybuilding, Beauty- und Schönheitsthemen.2 Das Thema Gesundheitsinformation im Internet ist für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II damit im Alltag relevant. Gerade zu ihren Themeninteressen kursieren eine Vielzahl unterschiedlicher Informationen sehr unterschiedlicher Güte im Internet.

Das merken auch die Schülerinnen und Schüler: 41,2 % empfinden die Suche nach digitalen Gesundheitsinformationen als schwierig, fast ebenso viele haben Schwierigkeiten die Verlässlichkeit solcher Informationen einzuordnen. Dabei schätzen sich über 70 % in der Bewertung von allgemeinen Informationen im Internet als gut ein.3  In Gesundheitsfragen besteht also eine erhebliche Unsicherheit. Als Lehrkraft können Sie hier im Unterricht unterstützen.

Eine der größten Herausforderungen bei der Bewertung digitaler Gesundheitsinformationen, auch für medienkompetente Nutzerinnen und Nutzer, ist neben der Fülle schon die Art und Qualität der Suchergebnisse. Denn diese hängt maßgeblich mit den von der Suchmaschine erfassten oder vermuteten Vorlieben des Suchenden zusammen: naturheilkundlich interessierte Suchende werden beispielsweise eher Ergebnisse aus dieser Sparte erhalten. Um diese Art der Ergebnisse zu vermeiden, ist es elementar zu wissen, wie Suchmaschinen allgemein funktionieren. Auch sie verwenden Cookies, kleine Datensätze, die sich das Surfverhalten merken, um personalisierte Suchergebnisse zeigen zu können. In den Privatsphäre-Einstellungen ist es teilweise möglich, diesem Tracking zu widersprechen. Auf Websites können nur notwendige oder funktionale Cookies akzeptiert werden und surfen ist auch in anonymen Browserfenstern möglich. Alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo und die Kindersuchmaschine BlindeKuh können außerdem gute Alternativen sein.

Doch nicht nur die Suchmaschinen, auch die Inhalte sind kritisch zu betrachten. Drastische, vereinfachende und vor allem persönliche Erfahrungsberichte im Internet und insbesondere den sozialen Medien bergen eine ernste Desinformationsgefahr: Sie sprechen auf emotional-affektiver Ebene an, sind aber gleichzeitig nicht differenziert genug, um den medizinischen Einzelfall hinreichend zu berücksichtigen.4  Schülerinnen und Schülern das Bewusstsein hierfür zu vermitteln, ist ein wichtiges Lernziel digitaler Gesundheitskompetenz. In Verbindung mit der auch als Teil von Medienkompetenz erlernten Quellenbefragung nach Autorität des Autors sowie Güte und Aktualität der Informationen, erhalten Schülerinnen und Schüler die Kompetenzen für eine bessere Orientierung im digitalen Informationsangebot rund um die eigene Gesundheit. Sie lernen die Angebote aktiv, kritisch und selbstbestimmt zu nutzen. Ihrer eigenen Gesundheit kommt das ebenso zugute wie ihrem Medienverhalten.


1Vgl. www.give.or.at/angebote/themen/digitalisierung-gesundheit/, Stand 30.09.2022.
2Vgl. www.hs-fulda.de/fileadmin/user_upload/1_Fotoware/DiGKS_Ergebnisbroschuere_einzel.pdf, Stand 30.09.2022.
3Vgl. ebd.
4Vgl. Viviane Scherenberg, Johanne Pundt (Hrsg.), Digitale Gesundheitskommunikation. Zwischen Meinungsbildung und Manipulation, Bremen 2018, S. 70-73.

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