PORN-Schriftzug auf einer Computer-Tastatur in blauem Licht dargestellt.PORN-Schriftzug auf einer Computer-Tastatur in blauem Licht dargestellt.
 
 

Medienbegleitung

24 Feb., 2026
4 Minuten

Pornonutzungsstörung

Was Eltern wissen sollten

2025 war „Goonen“ in der Finalrunde für das Jugendwort des Jahres.1 Schonmal gehört? Das aus dem Englischen entlehnte Trend-Wort beschreibt das exzessive Masturbieren zu Pornos. Wer „goont“, verbringt stundenlang erregt vorm Bildschirm, oft ohne sich zum Orgasmus kommen zu lassen. Was unter Jugendlichen vor allem als Belustigung oder Beleidigung dient, kann auch ein ernsthaftes Problem beschreiben. Die sogenannte „Pornosucht“ ist seit einigen Jahren in aller Munde2 und bereitet Jugendlichen selbst sowie ihren erwachsenen Bezugspersonen große Sorge. Was ist wirklich dran an diesem Phänomen? Wo kursieren Fehlannahmen? Und was sollten Eltern über problematische Pornonutzung wissen? Wir räumen auf. 

 

Jugendliche Pornonutzung

Rein theoretisch dürften Minderjährige in Deutschland gar keinen Zugriff auf pornografische Inhalte haben, denn das ist laut §184 im Strafgesetzbuch verboten.3 In der Praxis müssen Jugendliche dafür allerdings nichts weiter tun, als einmal auf „Ja, ich bin 18.“ zu klicken. Das nutzen neugierige Jugendliche selbstverständlich: Je nach Befragung und genauer Altersgruppe geben bis zu 60 % der Jugendlichen in Deutschland an, bereits Pornos gesehen zu haben.4 Unter den 14- bis 15-Jährigen schaut knapp die Hälfte sie regelmäßig, 16 % sogar täglich.5 Eltern unterschätzen das häufig.6 Auch, wie früh es zu ersten Berührungspunkten kommt. Das Durchschnittsalter für den Erstkontakt liegt bei etwa 12 Jahren.7 Kein Wunder, denn die meisten Kinder sind bereits mit 10 Jahren allein im Internet unterwegs.8 Ganz grundsätzlich braucht es hier Gesprächsangebote und Aufklärung, damit Kinder und Jugendliche mit potenziell überfordernden Bildern nicht allein bleiben. 

Was bedeutet Pornonutzungsstörung?

Seit 2022 enthält der internationale Krankheitskatalog, die ICD-11, erstmals die Diagnose Compulsive Sexual Behavior Disorder (CSBD), auf Deutsch: zwanghafte Sexualverhaltensstörung.9 Im Zentrum steht dabei der Kontrollverlust: Betroffene können trotz Leidensdruck und negativer Folgen bestimmte sexuelle Verhaltensweisen nicht mehr ablegen. Als häufigste Erscheinungsform davon gilt exzessive Pornonutzung. 

In der Medienberichterstattung oder als Selbstbezeichnung wird hier oft von „Pornosucht“ gesprochen. Das ist nicht ganz korrekt, da dieses Sexualverhalten als Impulskontrollstörung, nicht als Sucht eingeordnet wird. Der Fachbegriff lautet Pornonutzungsstörung. Diese kann – ähnlich wie bei Shopping, Sport oder Essen – dann entstehen, wenn etwas, das gute Gefühle auslöst, instrumentalisiert wird, um aus negativen Gefühlen zu entfliehen.

Aktuell können wir von 3 bis 5 % der männlichen und etwa 1% der weiblichen Erwachsenen ausgehen.10 Der Leidensdruck dieser Menschen sollte ernst genommen und eine effektive therapeutische Behandlung entwickelt werden.11 Gleichzeitig darf nicht der Eindruck entstehen, dass alle Menschen, die Pornos schauen, auch ungesunde Nutzungsmuster entwickeln würden. Denn die allermeisten tun das nicht.

Fehldiagnose „Pornosucht“

Es zeigt sich eine Tendenz, dass Menschen sich selbst als „pornosüchtig“ einstufen, aber die Diagnosekriterien gar nicht erfüllen. Oft stecken dahinter Scham, Schuldgefühle oder eine Diskrepanz zwischen der moralischen Einstellung und dem eigenen Verhalten.12 Konkret zu Jugendlichen gibt es noch keinerlei belastbare Zahlen. Und trotzdem besteht eine präsente Sorge in den Köpfen vieler junger Menschen sowie ihrer Eltern. Das liegt sicherlich auch an der enormen Medienpräsenz des Themas. Eine Befragung unter 9. Klassen in Deutschland ergab, dass über 50 % davon ausgehen, dass Pornos „süchtig machen“.13

Hier scheint es also weniger Risikoaufklärung, sondern eher Entlastung zu brauchen. Wenn bei sexualpädagogischen Angeboten anonyme Frageboxen aufgestellt werden, landet darin heute regelmäßig die Frage: „Ab wann ist man pornosüchtig?“14 Entscheidend ist dafür immer der Leidensdruck und der Kontrollverlust, nicht die pure Menge. Vor allem Teenager, die sich in einer Entwicklungsphase der verstärkten sexuellen Aktivität befinden, sind keinesfalls verhaltensauffällig, nur weil sie täglich Pornos nutzen. 

Alarmsignale wären jedoch: 

  • wenn Jugendliche gern weniger oder keine Pornos mehr schauen würden, aber es nicht schaffen
  • wenn sie ihre Freundschaften oder die Schule massiv vernachlässigen, nur um noch mehr Zeit für Pornos zu haben
  • wenn sie diese bewusst als Bewältigungsstrategie, etwa bei Einsamkeit, Leistungsdruck oder negativen Gefühlen, nutzen

Bei Erwachsenen zeigt sich durchaus, dass problematische Nutzungsmuster häufig in der Jugend begonnen haben. Insofern ist nicht weit hergeholt, auf Warnsignale zu achten und diese gegebenenfalls ernst zu nehmen. Die allermeisten Jugendlichen nutzen Pornos aber, ohne dass ein Störungsbild daraus entsteht. 

Was können Eltern tun?

Auch wenn Eltern im Falle einer Pornonutzungsstörung keine therapeutische Behandlung ersetzen, können sie wertvolle Prävention leisten, Orientierung bieten und eine sichere Anlaufstelle sein, indem sie:

  • ihre Kinder dazu ermutigen, die eigene Medien- (und auch Porno-)nutzung kritisch zu beobachten und Nutzungspausen einzulegen
  • für die Warnsignale einer Pornonutzungsstörung sensibilisieren, aber auch Ängste nehmen, dass jeder Pornokontakt oder eine regelmäßige Nutzung grundsätzlich zu suchtähnlichem Verhalten führe
  • bei einem Elternabend anregen, das Thema Mediensucht in den Unterricht zu integrieren und dabei auch auf die Pornonutzungsstörung einzugehen
  • das Thema Pornonutzung allgemein besprechbar machen und nicht pauschal problematisieren
  • auf Wesensveränderungen oder veränderte Mediennutzung ihrer Kinder achten

Bei Verdacht auf eine Pornonutzungsstörung sollte Eltern ein offenes, klärendes Gespräch mit ihrem Kind suchen und gegebenenfalls gemeinsam professionelle Hilfe suchen, zum Beispiel hier: https://www.ins-netz-gehen.de/beratung/beratungsstellen-datenbank/. 

Kein Grund zur Panik

Die Mehrheit der Jugendlichen kann ihren Pornokonsum gut regulieren. Entgegen alarmistischer Schlagzeilen wächst gerade keine „Generation von Pornosüchtigen“15 heran. Erwachsene können sie dabei unterstützen, ein gesundes Verständnis für Sexualität zu entwickeln, indem sie ihnen wertschätzend und sachlich alle notwendigen Informationen bereitstellen. 

Genau hier übernimmt das Elternhaus eine wichtige Rolle: Es bietet einen Raum, in dem Jugendliche lernen können, über Sexualität, Medien und Verantwortung reflektiert und selbstbestimmt nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Wenn wir Erwachsenen die Sprachlosigkeit dazu überwinden, kann auch das Tabuthema Porno offen, sachlich und entwicklungsangemessen begleitet werden.


1 https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/jugendwort-des-jahres-2025-finale-kandidaten-floskeln-100.html 
2 Auf YouTube finden sich etliche Videos mit Hunderttausenden von Klicks. Viele davon enthalten Fehlinformationen. Ein differenziertes Gegenbeispiel, das damit aufräumt, liefert 3 Simplicissimus hier: https://www.youtube.com/watch?v=rHA0GE1QlrU 
3 https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184.html 
4 Vogelsang, Verena (2017): Sexuelle Viktimisierung, Pornografie und Sexting im Jugendalter: 60% der 14- bis 17-Jährigen; Quandt T & Vogelgesang J (2018): Jugend, Internet und Pornografie: 46% der 14- bis 20-Jährigen; Hasebrink, U, Lampert, C & Thiel, K (2019): Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen: 54% der befragten 12- bis 17-Jährigen.
5 Döring, N., Mikhailova, V., Biermann, M. et al. Pornografie im Alltag und in der sexuellen Bildung von Jugendlichen: Befragungsergebnisse aus 8. und 9. Schulklassen in Nordrhein-Westfalen. Bundesgesundheitsblatt (2025). https://doi.org/10.1007/s00103-025-04073-x 
6 Hasebrink U, Lampert C & Thiel K (2019): Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen, siehe auch Wright et al. (2023): U.S. Parents Underestimate Their Children’s Pornography Use
7 Quandt T & Vogelgesang J (2018): Jugend, Internet und Pornografie
8 Bitkom Research (2024): Kinder- & Jugendstudie 2024
9 ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics (Version: 01 / 2023): 6C72 Compulsive sexual behaviour disorder, icd.who.int.
10 Markert et al. (2023): On the current psychotherapeutic situation for persons with pornography use disorder in Germany
 https://www.pornlos.de/ 
11 Bründl S & Fuss J (2021): Impulskontrollstörungen in der ICD-11
12 Döring, N., Mikhailova, V., Biermann, M. et al. Pornografie im Alltag und in der sexuellen Bildung von Jugendlichen: Befragungsergebnisse aus 8. und 9. Schulklassen in Nordrhein-Westfalen. Bundesgesundheitsbl (2025). https://doi.org/10.1007/s00103-025-04073-x 
14 Siehe hierzu auch das Video mit ProFamilia: https://teach-love.de/profamilia-sexuelle-bildung/ 
15 https://www.tagesspiegel.de/gesundheit/sex-filme-im-internet-wie-wirkt-sich-porno-konsum-auf-die-psyche-von-jugendlichen-aus-11748692.html 

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Madita Oeming

Madita Oeming ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin, ausgebildete Sexualpädagogin und anerkannte Expertin für Mediensexualität. Sie bildet deutschlandweit Fach- und Lehrkräfte zu jugendlicher Mediennutzung fort und ist eine gefragte Speakerin rund um Jugendmedienschutz und digitale Gewaltprävention. An der Uni Gießen koordiniert sie derzeit ein Projekt zu Pornokompetenzen. In ihrem Elternratgeber „Aufgeklärt statt aufgeregt“ (Rowohlt) und auf dem Instagram-Kanal @wissenstattscham vermittelt sie sexuelle Medienkompeten.

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